„Zum Werke, das wir ernst bereiten,
geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
wenn gute Reden sie begleiten,
dann fließt die Arbeit munter fort.
So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
was durch schwache Kraft entspringt;
den schlechten Mann muß man verachten,
der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ists ja, was den Menschen zieret,
und dazu ward ihm der Verstand,
daß er im innern Herzen spüret,
was er erschaffen mit seiner Hand“

aus Schiller „Das Lied von der Glocke“

Schillers Gedicht ist die Übertragung handwerklicher Vorgänge auf das menschliche Leben, beschrieben anhand archaischer Bilder aus dem Handwerk des Glockengießens. Schiller deutet auf diese Weise das menschliche Leben in seiner ganzen Tiefe. Viele Zitate des Gedichtes finden sich im allgemeinen Sprachbewusstsein der Deutschen wieder zum Teil in Originalzitaten, zum Teil in humorvoll plagiierten Versionen. Handwerk scheint - in diesem Sinn gedeutet - etwas Allgemeingültiges zu haben.

Das kommt nicht von ungefähr: schon in der Bibel wird Gott selbst als Handwerker beschrieben. „Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser…Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.“ So lesen wir in Psalm 104. Damit wird Handwerk verstanden als das Verändern von Welt mit einem bestimmten Ziel und Nutzen. Mit der Vorstellung, dass Gott selbst die Erde mit seinen „Händen“ geschaffen hat, verbindet sich auch die Einsicht, dass der Mensch, der diese Erde verändert, an Gottes Werk teilhat. Im positiven verstanden, setzt der Mensch das Werk Gottes fort. Dieser Anteil an der Schöpferkraft Gottes fordert aber auch eine ethische Verpflichtung. Die Welt kann und soll nur im Sinne Gottes verändert und entwickelt werden. Purer Eigennutz oder Ausbeutung, die der Gesamtgemeinschaft der Menschheit schaden, sind nicht im Sinne Gottes. Das „opus manuum“ - wie man den deutschen Begriff Handwerk im lateinischen findet - ist konvergent zum „opus deum“ - der Schöpfung Gottes.

„Das ists ja, was den Menschen zieret, und dazu ward ihm der Verstand, daß er im innern Herzen spüret, was er erschaffen mit seiner Hand.“ - so Schillers Verständnis des Handwerks. Den Menschen verbindet Verstand und Herz, also Einsicht und moralische Bezogenheit mit seinem Werk .Und genau darin unterscheidet sich der Menschen von Tier und Maschine.

Was nun bedeutet das für Handwerk im Kloster, konkret das Handwerk in der Abtei Königsmünster? Dieses bestand erst einmal darin, dass möglichst alle Gebrauchsgegenstände von den Mönchen und den Angestellten in den klostereigenen Betrieben produziert wurden. Das Kloster verstand sich in erster Linie als autarker Wirtschaftsbereich. Dieser Gedanke folgt den entsprechenden Passagen der Benediktusregel: „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können.“ (RB 66,6)

Vor gut 25 Jahren erweiterten die damaligen Verantwortlichen Abt Stephan Schröer und Pater Werner Vullhorst das vorhandene Konzept von Klosterhandwerk. Nicht mehr nur die Selbstversorgung sollte im Blickpunkt stehen, sondern auch die Herstellung von Produkten zum Verkauf, wie es die mönchische Tradition kennt: „Sie sind dann wirklich Mönche, wenn sie wie unsere Väter und die Apostel von ihrer Hände Arbeit leben.“ (RB 48, 8)

Zu dieser Zeit wurden neue Handwerkstätten in Königsmünster gegründet: die Handweberei, die Schmiede, die Töpferei, die Bäckerei. Andere vorhandene Werkstätten wie die Tischlerei, die Mosterei und in Anteilen auch die Schneiderei wurden zu Erwerbswerkstätten erweitert. Das Konzept vom Kloster, in dem alles für den täglichen Bedarf selbst produziert wurde, ist in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr umsetzbar. Es bedarf des Gelderwerbs, um die notwendigen Güter des alltäglichen Bedarfs zu kaufen. Inzwischen hat sich dieses Konzept verfestigt und als wirtschaftlich wichtiges Standbein der Abtei Königsmünster herauskristallisiert. Weitere Betriebszweige wurden entwickelt: die Metzgerei, die Käserei, die Lebensmittelproduktionen aus der Klosterküche. Dem liegt das Konzept zu Grunde, dass in unserem Abteiladen unsere Abteiwaren angeboten und verkauft werden.

In der Entwicklung eines eigenen Stils und eigener handwerklicher Kriterien haben sich unsere Werkstätten in den letzten 25 Jahren profiliert: Töpferei, Handweberei, Paramenten-Schneiderei und Schmiede leisten nicht nur einen Beitrag zum ökonomischen Ergebnis des Klosters, sondern sind auch in der Entwicklung neuer Formen und Gestaltungen maßgeblich am Kultur schaffenden Auftrag unserer Benediktinerabtei beteiligt. Damit folgen sie einer geschichtlichen Tradition der Klöster, die sich immer als Kulturträger verstanden. Man denke an die handschriftliche Vervielfältigung von Büchern und anderen kunstfertig in Klöstern hergestellten Gütern für den sakralen Bedarf.

Gleichzeitig fühlt sich unser Klosterhandwerk auch besonderen Kriterien der Herstellung verpflichtet. Abteiwaren sollten „ehrliche“ Produkte sein. Das bezieht sich sowohl auf die Qualität der Herstellung, wie der zugekauften Rohstoffe und Materialien. Dabei gilt es hinsichtlich der Preise auf Fairness bedacht zu sein. Als Wirtschaftsbetriebe finanzieren unsere Werkstätten mit ihren Gewinnen nicht nur den Unterhalt der Mönche, sondern auch unsere sozialen und gemeinnützigen Bereiche. Gleichzeitig sollte der Gedanke einer unreflektierten Gewinnmaximierung ferne liegen. Diese Gefahr sieht schon unser Ordensvater Benedikt in seiner Regel: „Bei der Festlegung der Preise darf sich das Übel der Habgier nicht einschleichen. Man verkaufe sogar immer etwas billiger, als es sonst außerhalb des Klosters möglich ist, damit in allem Gott verherrlicht werde.“ (RB 57,7 ff) Dabei würde ich allerdings dem Vorschlag Benedikts, Preisdumping zu betreiben - also mit billigeren Preisen die Konkurrenz auszustechen -  nicht folgen wollen. Vielmehr sollten sich Klosterbetriebe fair am Markt beteiligen.

Wichtig ist der letzte Satz dieses Regelzitates: „…damit in allem Gott verherrlicht werde“. Dieser Gedanke gibt handwerklichen Ringen im Alltag eine neue und vertiefte Dimension. Damit schließt sich auch der Kreis, den ich zu Anfang meiner Gedanken aufgeschlagen habe: Menschen, die ihre Umwelt gestaltend verändern, haben teil am Schöpfungsauftrag Gottes. Dieser ist nicht nur als schweißtreibende Arbeit zu verstehen, sondern als konkretes Gebet im Alltag und als liebevoller Dienst für unsere Welt.

P. Abraham Fischer OSB